Einleitung
Im vorliegenden Bericht wird erstens der Frage nachgegangen, ob über die Wirkung von Präventionscomics bereits geforscht wurde und ob Evaluationen bei den Zielgruppen dieses Genres stattgefunden haben.
Ein zweiter Fragekomplex betrifft das Thema der Herstellung von Präventionscomics: Wurde von Seiten der ProduzentInnen, AutorInnen, AuftraggeberInnen u.a. darüber reflektiert, wie ein Präventionscomic auszusehen hat, was er erfüllen muss, wie sich das Thema innerhalb des Mediums entfalten sollte/könnte?
Meine Recherchen-Ergebnisse basieren auf intensiven Internet-Surf-Sessions, Arbeit mit verschiedenen Bibliothekskatalogen, soweit von der Universitäts-Bibliothek Basel aus zugänglich, herkömmlichen Bibliographie-Techniken anhand der Internationalen Bibliographie der Zeitschriftenartikel (IBZ), der Internationalen Bibliographie der Rezensionen (IBZ), Fussnoten-Hinweisen u.a. sowie Gesprächen mit Cuno Affolter, Comic-Spezialist der Schweiz.
Der Präventionscomic – Teilgebiet des Sach-Comics
Der Sach-Comic ist ein dokumentarisch-didaktisches Genre, eine Spielart der Sachliteratur,
die mit visuell-verbalen Darstellungsmitteln des Comics operiert. Als nichtfiktionales Genre
intendiert der Sach-Comic in erster Linie die Vermittlung von Information. Die Themen des
Sach-Comic reichen von naturwissenschaftlicher, technischer und politisch-gesellschaftlicher
Information bis hin zu handbuchartigen Formen und Ratgeberliteratur (Kochbücher,
Reparaturanleitungen). Vorläufer der Sach-Comics in Deutschland sind in Form von als
Bildgeschichten angelegten Rezepturen und Werbeanzeigen bis in die dreissiger Jahre
zurückzuverfolgen. Sie trugen nicht nur mancherlei pädagogischen Wünschen Rechnung,
sondern brachten auch selbständige Darstellungsmittel hervor.[1]
Ende der siebziger Jahre wurden in Sach-Comic-Form vor allem Themen aus Geschichte,
Zeitgeschichte, Politik und Gesellschaft aufgearbeitet; als Vorreiter gilt der mexikanische
Autor Rius, dessen ‹Marx für Anfänger› (1979) zum Vorbild einer auf knapp 20 Bände
angewachsenen politisch-biografischen und –historischen Sachbuchreihe des Rowohlt
Verlags wurde. Darin wurden vor allem Probleme der Dritten Welt, des Kapitalismus, u.ä.
diskutiert.
Rius erhielt für seine Serie ‹Los Agachados› von der UNICEF eine Auszeichnung.
In Frankreich wurde der Comic für seine Popularität bei Kinder und Jugendlichen in
pädagogischen Kreisen ebenfalls geschätzt und eingesetzt: bereits 1976 wurde ‹L’Histoire de
France en BD› publiziert – ein äusserst erfolgreiches Projekt.[2]
Im deutschsprachigem Raum wurden anfangs der achtziger Jahre auch ökologische Probleme
im Sach-Comic angegangen, wie beispielsweise Marie Marcks in ihren Werken ‹Wer hat
dich, du schöner Wald› (1983) oder ‹Die paar Pfennige› (1979). Nach der Entdeckung des
Mediums Comic für politische Bildung und historisch-ideologiekritischer Aufklärung wurde
der Sach-Comic zur Aufbereitung von Stoffen verschiedenster Art genutzt, zunehmend
beispielsweise auch naturwissenschaftlicher Themen. Als herausragend gilt der
Sexualaufklärungs-Comic ‹Peter, Ida und Minimum› (1979) von Gunilla Hanson und Grete
Fagerström.
- Dolle-Weinkauff, Bernd: Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit 1945. Weinheim, Basel 1990. S. 303, 332.
- Baron-Carvais, Annie: La Bande dessinée, (= Que sais-je?), Paris 1985, S. 74-78.
- Forschungsliteratur über Sach-Comics im deutschsprachigem Raum existierte bis Ende der
siebziger Jahre kaum. Bis ca. Mitte der sechziger Jahre wurde in sogenannt
wissenschaftlichen Foren vor allem darüber debattiert, ob Comics Schundliteratur seien, die
Kinder korrumpiere und diese deshalb vor Comics zu schützen seien. Es waren vor allem
LehrerInnenverbände und bibliothekarische Organisationen, die sich bei der Bekämpfung von
‹Schmutz und Schund› federführend engagierten.3 Angesichts dieser Haltung ist verständlich,
dass Comics lange Zeit gar nicht erst als didaktisch-pädagogisches Medium Verwendung
fanden und somit offensichtlich auch nicht über deren Wirkungsweisen geforscht wurde.
Studien / Publikationen über die Wirkung von Präventionscomics
Publikationen aus dem Deutschsprachichen Raum
Baer, Reto: Der AIDS-Comic Jo im Spiegel der Schweizer Presse, in: Comic Almanach
1993, S. 130-132.
Während in der Westschweiz Jo auf vorwiegend positives Echo stiess, äusserte sich die
deutschweizerische Presse eher skeptisch über den Comic – der medizinisch-erklärende Anhang wurde daraufhin geändert. Kritisiert wurden des Weitern folgende Punkte: die undurchsichtige Finanzierung des Comics, die dämonisierte Darstellung der Sexualität, dass die Handhabung des Präservativs nicht explizit gezeichnet wurde, die offenbar missverständliche Botschaft, dass der HIV-Test eine präventive Schutzmassnahme darstelle. Jugendliche aber äusserten sich zum Comic positiv: die Emotionalität von Jo wurde sehr hervorgehoben. Der Autor bemerkt in seinem Schlusswort, dass die verschiedenen Kritiken zeigen, wie mit Jo umgegangen werden sollte: Der Comic sollte mit den Jugendlichen im Schulunterricht diskutiert und dabei allfällige Mängel hervorgehoben werden. Da der Comic sehr emotional arbeite, eigene sich die isolierte Lektüre nicht. Er erklärt Jo zur Pflichtlektüre aller im Erziehungsbereich Tätigen.
Bonfadelli, Heinz: Comics zur Verkehrserziehung: Evaluation einer
Verkehrssicherheitskampagne, in: Sozial- und Präventivmedizin 34 (3/1989), S. 124-130.
Es handelt sich um eine Evaluationsstudie, welche durch eine Arbeitsgruppe am Seminar für
Publizistikwissenschaften der Universität Zürich unter der Leitung des Autors durchgeführt wurde. Die Verkehrskampagne ‹Leo Lässig› richtet sich an junge NeufahrerInnen des Kantons St. Gallen. Es handelt sich um eine vierseitige A3 Zeitung, welche an 45 000 NeufahrerInnen persönlich adressiert wurde. Zielsetzung der Kampagne war, bei der Zielgruppe vermehrt Sensibilität gegenüber Verkehrsgefahren zu wecken und das Problembewusstsein zu fördern – letztlich das Verkehrsverhalten positiv zu beeinflussen. Allerdings war allen Beteiligten klar, dass durch eine einmalige Aktion keine signifikanten Veränderungen in der Verkehrsunfallstatistik möglich würden. Die Zeitung besteht aus einem Comic, zwei Unfall-Erlebnisberichten und einer Unfallstatistik. Die Evaluation wurde in Form einer standardisierten telefonischen Befragung einer repräsentativen Stichprobe der NeufahrerInnen durchgeführt. Die Projektgruppe stellte sich für die Evaluation der Kampagne folgende deskriptive Fragen:
- Beachtungsgrad: Wie viele Neufahrer hat die Zeitung überhaupt erreicht?
- Aufmerksamkeit: Wie aufmerksam wurde die Zeitung gelesen? Und: Welcher der drei Teile hat
besondere Aufmerksamkeit erreicht?
- Lernen: Welche Informationen wurden aufgenommen und behalten, d.h. an welche Botschaften
kann sich die Zielgruppe noch erinnern?
- Akzeptanz: Wie wurde die Kampagne insgesamt, aber auch die einzelnen Teile – Comic,
Erlebnisbericht, Grafik – durch die Zielgruppe bewertet?
- Effekte: Welche Auswirkungen hat die Kampagne auf Problembewusstsein und Verhalten der
Zielgruppe gehabt?
557 Adressen, durch den Computer ermittelt, wurden effektiv bearbeitet. Tatsächlich realisiert wurden allerdings nur 260 Interviews (falsche, ungültige Adressen, Abwesenheit zur Zeit der Befragung, keine Deutschkenntnisse, Desinteresse und Verweigerung). Zuerst wurde versucht das allgemeine Verkehrsverhalten der Befragten zu ermitteln (Risiko-Index).
Rund 75% der Adressierten wurden erreicht. Es wurde ein Netto-Beachtungsgrad von etwas über 50% ermittelt, was absolut gesehen rund 24 000 Personen aus der Gruppe der NeufahrerInnen entspricht. 23% haben die Zeitung ganz durchgelesen, 27% teilweise, 22% haben sie nur durchgeblättert und weitere 27% haben sie kaum beachtet.
Vier Fünftel der Befragten fanden die Zeitungsidee gut, bzw. sehr gut. Über 50% der Befragten fanden den Informationswert hoch bis ziemlich hoch. Für zwei Drittel der Befragten war der Comic Grund die Zeitung überhaupt erst zu lesen – was die Erzeugung von Aufmerksamkeit anbelangt, scheint sich der Einsatz des Comic gelohnt zu haben.
Der Einsatz des Comic bewirkte, dass sich Wissensklüfte vermeiden liessen – Mittel- und
Hochschulabsolventen waren nur geringfügig besser informiert als weniger gebildete und im Lesen ungeübtere Personen. Weder Aufmerksamkeit noch Informiertheit korrelieren mit dem Risiko-Index – die Kampagne wurde auch von den riskanten NeufahrerInnen beachtet und aufgenommen.
Bei Comic sowie Erlebnisbericht sollte – so die Kritik – stärker auf Kernaussagen der einzelnen Geschichten geachtet werden. Geschichten ohne prägnante Aussagen wurden entsprechend schlechtererinnert.
Ders. et al.: Evaluation der Verkehrsicherheitskampagne ‹Leo Lässig›. Schlussbericht.
Zürich: Seminar für Publizistikwissenschaft der Universität Zürich 1988.
Hegmann, Eric: Gib Gummi, in: Wiener 7 (1992), S. 78-80.
Kaps, Joachim: Zerstörte Träume und fröhliche Kondome. Die Thematisierung von AIDS
im Comic, in: Comic Almanach 1993, S. 115-129.
‹Dass heute das Faktenwissen um die Krankheit erfreulich weit verbreitet ist, ist unter anderem auch verschiedenen Comics zu verdanken. Die Möglichkeit lustvoller Informationsvermittlung, die gerade einfache Formen des Comics in sich bergen, wurden schon früh im Rahmen von
Aufklärungskampagnen um AIDS genutzt. Die am weitesten verbreitete Version dürfte wohl jene
Bilderfolge sein, die den Päckchen der meisten Präser-Hersteller beigelegt ist.› Inzwischen gibt es sogar ‹Kondom-Helden›, wie Billy Boy und Konny McLove.
Seit Mitte der achtziger Jahren sind in fast allen Ländern Europas und den Vereinigten Staaten
unzählige AIDS-Aufklärungs-Comics erschienen. Im Gegensatz zu den oftmals moralisierenden
Anzeigenkampagnen und Fernseh-Spots zeichnen sich diese Comics, so der Autor, durch eine
erfrischende lockere Form der Wissensvermittlung aus. Als Beispiel erwähnt er ‹Pas de Sida pour Miss Poireau›, finanziert durch die Apothekenkette Giphar, Texte von Claude Moliterni, gezeichnet von Nikita Mandryka. Das Heft wurde bereits 1987 in einer Gesamtauflage von 250 000 Exemplaren in rund 10 000 Apotheken aufgelegt. Die Hauptfigur, eine Detektiv-Gurke, war schon 1965 für die Zeitschrift ‹Valiant› erfunden worden, genoss so im Vornherein Bekanntheit und Sympathie. Der Comic wurde auf dem Festival von Angoulême mit dem Preis für die beste Werbekampagne via Comic ausgezeichnet. Wenngleich in den Vereinigten Staaten bereits bekannte Superhelden nicht gebraucht werden durften, so profitierten die Comic-Kampagnen dennoch von der nordamerikanischen Comic-Tradition: es wurden kurzerhand neue Superhelden kreiert. Beispiel dafür ist ‹True Fears›, eine von Debbie Bryant und Claire Kujundzik für ‹AIDS Vancouver› kreierte Broschüre. Vor allem beim jüngeren Publikum kam diese Broschüre sehr gut an und wurde zu der meist beachteten Publikation der Einrichtung überhaupt.
Der Autor bezweifelt die Wirksamkeit von moralisierenden Comic-Broschüren, da sich das anvisierte Publikum dadurch als nicht ernst genommen vorkommen könnte. Als hochproblematisch bezeichnet er auch das Schüren von Ängsten, da das Verhalten dadurch offenbar nicht grundlegend verändert würde. Er betont, dass sich der Zeichner / die Zeichnerin stets das Publikum bewusst machen muss, um so eine verständliche (Zeichen-)Sprache zu wählen und zählt in diesem Zusammenhang einige ‹schlechte› Beispiele auf. Als weiteres Problem nennt er die Überfütterung des Publikums mit Sammelbänden zum Thema und die Gefahr der bald einsetzenden Langeweile. Als Erfolgsindikatoren dienen dem Autor die mehrfachen Auflagen zahlreicher Broschüren und ihre geographische ‹Expansion›.
Der Text ist nebst den aufgeführten Informationen auch spannend, weil zahlreiche AIDS-Comics, ihre verschiedenen Entstehungskontexte und Verlegungsformen erwähnt werden. (Alle unter Punkt 6 ‹Präventionscomics› erwähnt, wenngleich einige nicht als Präventionscomics, vielmehr als Genre-Comics zum Thema AIDS entstanden sind. In den Genre-Comics wird zumeist politisch, moralisch und kulturell Position bezogen und manchmal sogar ein wenig praktische Lebenshilfe vermittelt.)
Kempkes, Wolfgang: Comics im Unterricht. Stundenprotokolle, in: Jugendschriftenwarte 1
(3/1972).
Er zeigt die Relevanz der ‹educational comics› auf, deren Chancen für Motivation und Information.
Kempkes, Wolfgang: Kann man mit Comics aufklären?, in: Bundeszentrale für politische
Bildung (Hrsg.): Massenmedium Comics. Bonn 1976. S. 38ff.
Lakner, Petra: Aids im Comic – Comics und Aids. Anmerkungen zu einem engagierten
Projekt, in: Incom Infos 58 (1992), S. 40-41.
Publikationen aus dem Englischsprachigem Raum
Bonnin, F; Michaud, C.: Comic Book and prevention of STD and AIDS. Critical analysis of
7 documents, in: Hygie – International Journal of health education: revista internacional de
educación para la salud: revue internationale d’éducation pour la santé
12 (3/1993): S. 16-19.
Brown Adrian: Redirectes Mail – the use of comics in drugs health education. Sequential
Tart (October 1999), http://sequentialtart.com/rdm_1099.shtml
Dawson, C.; Hartfield, K.: Developing a cost-effective media campaign addressing
unprotected anal sex among gay men (Stella Seattle comic strip), in: AIDS Education &
Prevention 8 (4/1996), S. 285-293.
In diesem Bericht wird die Entwicklung, Konzipierung und Verbreitung der ‹Stella Seattle›-Kampagne beschrieben – eine Kampagne, welche sich an Männer richtet, die ungeschützten Analverkehr mit anderen Männern haben. Die Kampagne arbeitet mit einer Serie von Cartoon-Strips. Die Szenarien und Charakteren wurden anhand von Recherchen über die Kultur der Anvisierten entwickelt – Faktoren, welche deren Verhalten prägen, wie beispielsweise ungenügende Informationen, normatives Verhalten, Isolation und Depression wurden zuerst erforscht und danach in der beschriebenen Form angesprochen.
In der Folge kam wöchentlich ein Comic-Strip in Postkartenformat heraus, wurde in der Gemeinde
verteilt und erschien des Weitern in zwei Zeitungen. Eine Evaluation ergab, dass 35-45% der
anvisierten Männer Stella wahrgenommen und etwa die Hälfte dieser Männer mit ihren Freunden
darüber gesprochen haben.
De La Cruz, Donna: Cartoons with common sense: Comic strip extolling safe sex will return
to New York subways (AIDS and the Julio y Marisol strip), Washington Post (8. Oktober
1997)
Dixon, B.: Cartoon Comics, in: Forum for the Discussion of New Trends in Education 17
(2/1975) S. 65-66.
Flipse, Robyn: Learning through laughter, in: Journal of Dietetic Association (1990).
Gillmore, Mr; Morrison, DM; Richey, CA; Balassone, ML; Guiterrez, L.; Farris, M: Effects
of a skill-based intervention to encourage condom use among high risk heterosexually active
adolescents (using educational comic books), in: AIDS Education & Prevention 9 (1 Supp./
February 1997), S. 22-43.
Hargitt, Hal: AIDS Comics Abound, in: The Comics Journal 130 (1989), S. 37-39.
Harvey, J: Design of a comic book intervention for gay male youth at risk for HIV, in:
Journal of Biocommunication 24 (2/1997), S. 16-24.
Jennequin, Jean-Paul: Comics promote Safe Sex, in: The Comics Journal 123 (1988), S. 22-
23.
McDermott, TJ: Cartooning: a humorous approach to medical and health education, in:
Journal of Biocommunication 16 (4/1989), S. 20-27.
Mc Laughlin, Ann: AIDS in the comics. In: Maclean’s – Canada’s newsmagazine 104,
(12/1991), S. 46.
Murphy, Tony: Morrie Turner Draws AIDS Coloring Book, in: The Comics Journal 129
(1989), S. 17.
Putnam, Georgia L; Yanagisako, Karen L.: Skin cancer comic book: evaluation of a public
educational vehicle, in: The Journal of Audiovisual Media in Medicine 8 (1/1985), S. 22-25.
In Hawaii sind offenbar kaukasisch-stämmige Menschen von Hautkrebs durch Sonneneinwirkung
speziell betroffen. Als Teil einer Multimedia-Kampagne wurde ein 16-seitiger farbiger Comic lanciert.
Ziel dieses Comic war die Vermittlung von Informationen über Hautkrebs, über
Präventionsmassnahmen und Früherkennung der Symptome. Der Comic wurde an 8 000 Haushalte verteilt, mit 300 Personen wurden anschliessend persönliche Interviews geführt.
Folgende Daten wurden gesammelt:
- Soziodemografische Hintergrundsinformationen
- Wissensgrad über Hautkrebs
- Individuelle Präventions- und/oder Früherkennungsaktivitäten
- Quellen des Wissens über Hautkrebs
Von den Befragten erinnerten sich 44,7% das Comics erhalten zu haben – rund 90% dieser Gruppe hatte es gelesen, davon fanden es 98% einfach zu lesen, 97% leicht verständlich und 93% fanden die Publikation interessant.
Der Comic beeinflusste die Betroffenen in ihrem Verhalten, vor allem in folgenden Punkten:
Vermeidung sich der Sonne auszusetzen zwischen 10-14 Uhr, Sonnencrèmes mit Schutzfaktoren über 8 zu benutzen, die Haut immer wieder zu examinieren und schützende Kleidung zu tragen. Weniger stark wirkte sich der Comic auf das vermehrte Aufsuchen von Ärzten oder das Kontaktieren von ‹Cancer Information Line› aus. Der Informationsgrad bei Comic-LeserInnen war deutlich höher als bei denjenigen, die den Comic nicht gelesen hatten. Generell wurde in der Studie dem Medium Comic im Zusammenhang mit Prävention ein hohes Potential ausgestellt.
Rifas, Leonard: AIDS Educational Comics, in: Reference Service Review 19 (2/1991), S.
81-87.
Rifas ist selber Autor von ‹Educational Comics›, Gründer und Besitzer von ‹EduComics›, einer Sach-Comics Firma. Sach-Comics sind seiner Ansicht nach ein eigener, vom herkömmlichen Cartooning-Bereich getrenntes Feld.
Als eines der Probleme des Sach-Comics nennt er die Isolation der einzelnen AutorInnen – alle arbeiten getrennt voneinander, erfinden den Sach-Comic so immer wieder neu. Als Chance dieses Zustandes erwähnt Rifas den lokalen und persönlicheren Bezug der einzelnen Comics. Bessere Kommunikation zwischen Sach-Comic-Autorinnen könnte allerdings die Verteilung der Publikationen verbessern, die Information würde mehr Leute erreichen und Comic-AutorInnen hätten grössere finanzielle Spielräume, so dass sich ihre Arbeit verbessern könnte. Die Kräfteverteilung könnte effizienter verteilt werden und mehr Themen angegangen werden.
Zielsetzung seines Aufsatzes ist es, eine Comic-kritische Beurteilung ausgewählter AIDS-Comics und Hintergrundmaterial zur Entstehung der einzelnen Publikationen zu liefern.
Interessant sind des Weitern folgende Hinweise:
- Randy Scott ist einer der wichtigsten Comics-Bibliothekare der Welt (Michigan State University).
- Es gibt eine ‹Educational Materials Database› des ‹National AIDS Information Clearinghouse› – 1990 wurden auf der Liste zu AIDS-Comics 46 Titel aufgeführt, wobei alle rechtslastig christlich-inspirierten Publikationen nicht aufgeführt wurden.
- Aufgrund der interessanten Auflistung von verschiedenen AIDS-Comics lege ich dem Anhang des
Berichtes eine Kopie des Aufsatzes bei.
Rifas, Leonard: Educational Comics: A Message in a Bubble, in: Print XLII (VI, Nov-Dec
1988) S. 145-157.
Unknown: Outliers (using comics in AIDS education), in: Modern Healthcare 25 (12/1995),
S. 72.
Unknown: Educational comic books about conservation, in: Parks and Recreation 32
(4/1997), S. 28-30.
Diverse Ursprungsländer
Chen, PC; Sim, HC: The development of culture-specific health education packages to
increase case-finding of leprosy in Sarawak using cartoon tape-slides and cartoon story books,
in: Southeast Asian Journal of Tropical Medicine & Public Health 17 (3; September 1986), S.
421-432.
Es geht im Wesentlichen darum, Lepra-Erkrankungen möglichst schnell zu entdecken und somit
sicherzustellen, dass diese adäquat behandelt und so langfristig geheilt werden. Da aber Lepra in der Region Sarawak ein Stigma darstellt, verstecken Erkrankte ihren Zustand so lange es geht.
Zuerst wurde der Umgang mit der Krankheit aus anthropologischer Sicht untersucht –
Präventionsmassnahmen müssen dort einsetzen, wo die Anvisierten stehen und dafür braucht es zuerst ein fundiertes Kulturverständnis. Danach erst konnten für die unterschiedlichen ethnischen
Gruppierungen der Region Gesundheits-Präventionspakete zusammengestellt werden. Aufgrund
finanzieller Engpässe wurden folgende Massnahmen ergriffen: Eine Dia-Show bestehend aus
gezeichneten Szenen (Cartoons), Posters, Artikel in der chinesischen Presse, ein Comic-Buch – dieses Buch richtet sich vorwiegend an SchülerInnen und wurde im Unterricht bearbeitet und diskutiert. Aufgrund der Echos von Seiten der Schüler- und Lehrerschaft wurde das Buch überarbeitet und weiterhin gebraucht.
Pai, Anant: Comics as a vehicle of education and culture, in: Indian Horizons 44 (2 / 1995),
S. 107-116.
Evalution von Kampagnen / Wirkungsstudien
In der Schweiz trifft man im Zusammenhang mit Kampagnen-Evaluation immer wieder auf
den Namen Heinz Bonfadelli. Bonfadelli ist (war?) Professor am Seminar für
Publizistikwissenschaft der Universität Zürich. Bei den unten aufgeführten Studien konnte ich
allerdings nicht überall in Erfahrung bringen, ob Comic als Medium innerhalb der jeweiligen
Präventionskampagnen eingesetzt wurde.
Weitere Titel, welche er als Autor gezeichnet oder als Leiter des Instituts begleitet hat:
- Bonfadelli, Heinz: Saxer, Ulrich, Hättenschwiler, Walter: Die Massenmedien im Leben der
Schüler. Ergebnisse einer Untersuchung im Kanton Zürich. (= Zürcher Beiträge zur
Medienpädagogik). Zug 1980.
- Bonfadelli, Heinz: Saxer, Ulrich (Hrsg.): Lesen, Fernsehen und Lernen. Wie Jugendliche die
Medien nutzen und die Folgen für die Medienpädagogik. (= Zürcher Beiträge zur
Medienpädagogik). Zug 1986.
- Bonfadelli, Heinz: Gesundheitskampagnen in den Massenmedien: Kommunikationstheorie
für Kommunikationspraxis, in: Sozial- und Präventivmedizin 33 (1988), S. 86-92.
- Bonfadelli, Heinz: Tschopp, Cosima: Evaluation der Präventionskampagne ’97: ‹Sucht
beginnt im Alltag. Prävention auch›. Bericht zuhanden des Instituts für Sozial- und
Präventivmedizin der Universität Zürich. Zürich 1997.
- Rüegg, Katharina: Plakate für die Prävention. Zur Evaluation der Präventionskampagne ’97:
‹Sucht beginnt im Alltag. Prävention auch›, in: P & G. Prävention und Gesundheitsförderung
im Kanton Zürich. (12 / 1997).
- Vontobel, Susanne: Kampagnen-Evaluation. ‹Halt Gewalt gegen Frauen in Ehe und
Partnerschaft›. Input-Output-Analyse durchgeführt für die Fachstelle für Gleichberechtigung
des Kantons Zürich. Lizentiatsarbeit. Seminar für Publizistikwissenschaft an der Universität
Zürich. Zürich 1998.
- Die Kampagne operierte mit dem Medium Plakat, einem Videofilm für die Arbeit mit Schulklassen,
Informationen über Internet, einer Info-Line, welche während neun Wochen in Betrieb war, TV-Spots, Informationsmaterialien, welche in verschiedenen Läden, Praxen, Sozialdienste u.a. auflagen.
Studien ausserhalb des Institutes für Publizistikwissenschaften Zürich
- Brown, Jb; Beck, A.; Boles, M; Barrett, P.: Practical Methods to increase use of advance
medical directives by using a cartoon-illustrated educational pamphlet, in: Journal of General
Internal Medicine 14 (1/1999), S. 21-26.
- Carrel, Rebecca; Abelin, Theodor: The effectivness of drug abuse prevention projects: a
review of the literature, in: Suchtforschung des BAG 1996-98, Bd. 2/4: Prävention (9/2000),
S. 22-27.
- Im Bericht wird bekräftigt, dass Prävention dann wirksam sein kann, wenn sie längerfristig angelegt ist, verschiedene Komponenten (Wissen, Einstellungen, Normen, Gefühle, soziale Fertigkeiten u.a.) umfasst, altersspezifische Angebote vermittelt und auf ‹Mediations//variablen› wie Normen und Werte, ‹life-style›, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenzen einwirkt. Die Review beschränkt sich
ausschliesslich auf US-Studien.
- Cloetta, Bernhard; Abel, Thomas; Zeyen Bernasconi, Petra: Umsetzung von Strategien der
Gesundheitsförderung und Prävention: Entwicklung eines Evaluationsinstrumentariums, in:
Suchtforschung des BAG 1996-98, Bd. 2/4: Prävention (9/2000), S. 28-34.
Sie berichten über den schweizerischen Teil einer europäischen Studie zur effektiven Umsetzung von Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention. Zielsetzung war die Entwicklung und Erprobung eines Instrumentariums, das quantitative Aussagen erlaubt über Durchführungsbedingungen und Erfolg von Massnahmen sowie über Wirkungen in der Bevölkerung.
- Dentan, A; Girod, I.: Des mots pour prévenir: évaluation de la mise en oeuvre du programme
Objectif grandir dans les cantons de Vaud et du Jura. Etudes et évaluation dans le domaine de
la prévention (EEP). Pully 1997.
- Dickinson, Roger: Beyond the Moral Panic: Aids, the Mass Media and Mass
Communication Research, in: Communications, 1. Feb. 1990, S. 21-36.
- Grunig JE, Ipes DA: The Anatomy of a Campaign Against Drunk Driving, in: Public
Relations Review 9 (1983), S. 36-52.
- Kaemingk, Krisine L. et al. (Hrsg.): Evaluation of AIDS prevention and education programs.
(= Evaluation and Programm planning; Bd. 13, 1). New York 1990,
- Pfaff M et al.: Methoden und Kriterien zur Überprüfung des Erfolgs von
Aufklärungskampagnen. (=Forschungsberichte der Bundesanstalt für Strassenwesen, Bereich
Unfallforschung). Köln 1982.
- Strub, C.: Gesund in der Schule: Eine Umfrage an den Basler Schulen und Kindergärten
über Gesundheitsförderung und Prävention, in: Basler Schulblatt (4/1998).
- Wells, JA.: Readability of HIV/AIDS educational materials: the role of the medium of
communication, target audience and producer characteristics, in: Patient Education &
Counseling 24 (3/ 1994), S. 249-259.
- Wydler, H.: Evaluation der Aidsaufklärung im Kanton Bern; zusammenfassender Bericht
über eine Untersuchung in 34 Schulklassen. Zürich: Institut für Sozial- und Präventivmedizin
der Universität Zürich; Bern: Amt für Bildungsforschung der Erziehungsdirektion des
Kantons Bern; 1990.
- Wake up; Bundesamt für Gesundheit (Hrsg.): HIV/Aids-Prävention, eine Erhebung bei
Jugendlichen in der ganzen Schweiz: Ergebnisse, Konklusionen, Empfehlungen. Basel 1996.
Publikationen zur Wirkung und Konzipierung von Präventionskampagnen exisitieren zuhauf
– obgenannte Titel sind unsystematisch gesammelt worden.
Untersuchungen zu Comic-Lesegewohnheiten / Comic-Rezeption allgemein
Caisse d’Epargne, Festival International de la BD d’Angoulême (Hrsg.): La BD et les
Français: comportements et attitudes. (12/2000).
1503 Personen im Alter zwischen 8 und 64 Jahren wurden über ihre Comics-Lesegewohnheiten befragt. Interessant im Zusammenhang mit der Studie ‹Comics with attitude› sind folgende Resultate:
- Comics-Lesen wird zwar von allen